Gedanken zum 13. August ….
13. August 2010 von mgerschwitzHeute jährt sich zum 49. Mal der Tag, an dem eine in Stein gemeißelte Trennung von »Ost« und »West« errichtet wurde. Genau genommen war es aber eine Trennung von »gut« und »schlecht« bzw. »richtig « und »falsch« … und es war völlig unerheblich, von welcher Seite aus man auf die Mauer blickte. Wurde noch in den 80er Jahren großspurig verkündet, dass die Mauer noch in hundert Jahren stünde, so wissen wir das seit zwanzig Jahren besser. Tatsächlich hielt die Mauer »nur« 28 Jahre … wobei dies während der Existenz des Bauwerks lähmend lange 28 Jahre waren, wohingegen die vergangenen 21 Jahre ohne Mauer wie im Flug vergangen zu sein scheinen.
Ebenfalls etwa 28 Jahre steht eine andere Mauer – und egal, wie viele von uns daran rütteln … so schnell scheint sie nicht zu fallen. Hier geht es nicht um Himmelsrichtungen, sondern um Gesundheit: Die Mauer heißt »HIV/AIDS« und scheint in vielen Köpfen festbetoniert.
Immer noch gibt es genügend Menschen, die Positiven vorwerfen, sie seien es ja selber schuld. Immer noch gibt es mehr als genug – vor allem junge – Menschen, die glauben, qua Heterosexualität gar nicht von der Gefahr betroffen zu sein und fröhlich ungeschützt Sex betreiben. Wenn dann aber doch mal ein Risikokontakt dabei gewesen ist, bricht das große Heulen und Zähneklappern aus: Denn »positiv« zu sein, bedeutet für die meisten – schlecht bis gar nicht informierten Mitbürger – das baldige Lebensende. Dass das nicht (mehr) stimmt, belegen viele Langzeitpositive, die wie ich 15 und mehr Jahre mit dem Virus leben. Teilweise sogar viel mehr als 15 Jahre …
Dazu kommt noch der Umstand, dass die Weitergabe der Infektion ein potenzieller Straftatbestand ist; im Rahmen des am 16. August beginnenden Prozesses gegen die frühere »No Angels«-Sängerin Nadja Benaissa wird sich zeigen, inwieweit die Justiz hier Vorsatz, Fahrlässigkeit und Nachlässigkeit zu unterscheiden weiß. Und inwiefern sie den jeweiligen Partner mit in die Pflicht nimmt – denn zum Sex gehören nach wie vor mindestens zwei. Autoerotik ist nun mal nicht infektiös.
Diese Mauer hat viele Seiten. Nehmen wir uns ein Beispiel an der 1989 erlebten Erfahrung mit der »Berliner Mauer«. Das Einreißen vergrößert den Blickwinkel, eröffnet neue Perspektiven und … last not least: ist eine der wenigen destruktiven Tätigkeiten, die Spaß machen und etwas bewegen …
