Lesung und CSD: Danke, Lübeck!
16. August 2010 von mgerschwitz
Da muss ich also fünfzig Jahre alt werden, um auf einem CSD-Wagen mitzufahren. In Lübeck, beim CSD am 14. August 2010, gelang es mir erstmals – und zwar auf dem Wagen der IWWIT-Kampagne (»Ich weiß was ich tu« – Präventionsarbeit der Deutschen Aidshilfe).
Der Anlass für meinen Besuch in der Marzipanstadt war allerdings ein anderer. Am Vorabend des CSD las ich – als Abschlussveranstaltung der schwullesbischen Kulturwoche – aus meinem Buch »Endlich mal was Positives«, gefolgt von einer Podiumsdiskussion mit drei weiteren Virusträgern. Zwei »Role Models« der IWWIT-Kampagne (also jene, die mit ihrem Gesicht und ihrer Geschichte die Kampagne mit Leben füllen), die auf einem kleinen Dorf in Brandenburg leben und völlig geoutet in die Dorfgemeinschaft integriert sind (ja, es gibt sie, die Normalität!) und ein Teilnehmer der »Sport als Therapie«-Studie einer Pharmafirma, der erfolgreich Marathonstrecken absolviert, brachten den mehr als vierzig interessierten Menschen im Saal im Lübecker »Haus der Kulturen« viele neue Informationen und Erkenntnisse. Das
Interesse war groß, Fragen wurden gestellt und beantwortet – und das eine oder andere Vorurteil (bzw. die eine oder andere Unkenntnis) konnte beseitigt werden. Der Abend verlief unglaublich schön und war eine klassische »win-win«-Situation für Veranstalter, Teilnehmer und Zuhörer.
Samstags ging es dann auf den CSD, der mit dem Begriff »charmant« im besten Sinne des Wortes perfekt beschrieben ist. Unaufgeregt, unprätentiös, bunt, laut und lustig ging es quer durch die zauberhafte Lübecker Innenstadt. Wer die großen Paraden aus Berlin oder Köln kennt, mag enttäuscht gewesen sein, dass sich hier das »Volk« nicht in Massen an der Paradestrecke drängelte. Aber es war schön, zu erleben, dass Veranstalter am Werk waren, die mit Begeisterung, Esprit, Einsatz und Liebe zum Detail einen Zug auf die Beine gestellt haben, der in einer Stadt dieser Größe eben nicht zur Normalität gehört – aber trotzdem (oder gerade deswegen?) von den Zuschauern am Straßenrand mit Freude verfolgt wurde. Das abschließende Straßenfest an der Obertrave war ein weiterer Beweis dafür, dass gemeinsames Feiern die unterschiedlichsten Menschen verbindet.
Ein Bonmot kann ich mir allerdings nicht verkneifen: Auf dem Wagen bat ich eine junge Dame (wahrscheinlich nicht einmal 20 Jahre alt), ob ich einen Schluck Sekt haben könne. Sie reichte mir die Flasche mit den Worten »Du bist aber nicht krank, oder so was?« Ich konnte sie beruhigen: Vom gemeinsamen Trinken aus einem Glas oder einer Flasche kann man sich nicht infizieren. Das wurde ihr nach etwas Überlegung dann auch klar. Aber dass diese Begebenheit gerade auf dem IWWIT-Wagen stattfand, gab mir schon zu denken…
Alles in allem: Mein herzlicher Dank geht an die Lübecker Aidshilfe (besonders an Hartmut, der alles exzellent vorbereitet hatte) und an die Veranstalter des Lübecker CSD. Das habt Ihr richtig gut gemacht!!!
