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PrEP – Ein Schutz vor HIV?

18. Juli 2012 von mgerschwitz

Gerade kommt aus den USA die Nachricht, dass die FDA (Federal Drug Authority) das Medikament Truvada® zur PrEP – Prä-Expositionsprophylaxe oder deutsch: vorbeugende Einnahme – zugelassen habe. Die Idee: Wer sich durch die regelmäßige Einnahme eines Medikaments vor der Infektion mit der nach wie vor unheilbaren Immunschwächekrankheit schützt, kann sich ungetrübt allen Freuden des Lebens – auch den sexuellen – hingeben.

Truvada® wird schon seit vielen Jahren in der Behandlung HIV-Infizierter eingesetzt – ist also nicht neu. Und doch setzen nicht wenige Menschen ihre Hoffnungen darauf, dass mit der PrEP das Infektionsrisiko eingedämmt werden kann. Eine Studie mit heterosexuellen Paaren aus Kenia und Uganda, bei denen ein Partner HIV-infiziert war, hat ergeben, dass die Schutzwirkung der PrEP bei 75% liegt. So weit – so gut: Allerdings hat eine andere Studie mit 2.500 schwulen Männern eine Schutzwirkung von nur 44% belegt. Das gute, alte Kondom hingegen schützt zu mindestens 95% vor der Übertragung … und nicht nur von HIV, sondern auch von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Die Behandlung von HIV-positiven Menschen, wie sie in Europa vorgezogen wird, hat etliche Vorteile mehr: Der Gesundheitszustand des infizierten Menschen stabilisiert und verbessert sich, und die Schutzwirkung für den negativen Partner beträgt sogar 96%.

Hinzu kommen die Kosten: Als vorbeugende Maßnahme muss die PrEP regelmäßig eingenommen werden, was sich bei Truvada® auf $ 13,000 – umgerechnet auf deutsche Preise – € 7.200 pro Jahr summiert. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Krankenversicherungen diese Kosten übernehmen … Kondome gibt es ja auch nicht auf Rezept.

Außerdem: Schon jetzt wird beklagt, dass die medikamentöse Behandlung nur einem geringen Teil der infizierten Weltbevölkerung zugänglich ist … weltweit warten acht Millionen Menschen auf die dringend notwendige HIV-Therapie, bekommen sie aber nicht. Sollen die ärmeren – von HIV und AIDS viel mehr betroffenen – Gebiete in Afrika und Asien jetzt noch weniger Chancen haben, nur weil sich in den westlichen Ländern anderweitig Schutzunwillige die Medikamente leichter beschaffen können?

Und: ist es wirklich der Weisheit (und Wissenschaft) letzter Schluss, dass zur Vorbeugung einer Infektion dieselben Medikamente eingenommen werden müssen wie zu deren Behandlung?

Trotzdem: Die PreP als solche ist eine gute Entwicklung. Sie ermöglicht in bestimmten Fällen, Menschen mit einem besonders hohen HIV-Risiko zu schützen. Aber sie darf nicht dazu verleiten, das Infektionsrisiko zu verharmlosen und unter dem Motto »Pille rein und los« die Verantwortung für das eigene Handeln an den Produzenten pharmazeutischer Produkte abzugeben. Hier stimme ich voll und ganz mit der Stellungnahme der Deutschen Aidshilfe überein: Die Zulassung der Prä-Expositionsprophylaxe in den USA kam zu früh. Hier herrscht noch ein dringender Forschungsbedarf.

Übrigens: In Deutschland ist die PrEP nicht zugelassen.

Meldung der DAH

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MATTHIAS GERSCHWITZ

Botschafter Welt-AIDS-Tag

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