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Der Lesereise zweiter Teil …

5. Dezember 2010 von mgerschwitz

… oder: Wie mein Smart dem Winter trotzte.

Am Samstag, den 27. November 2010 ging es wieder auf Achse. Fünf Lesungen in fünf Tagen – inklusive An- und Abreise etwa 2.000 km – warteten darauf, absolviert zu werden. Und wieder waren es höchst unterschiedliche Veranstaltungen. Aber soviel vorab: Jede hatte ihren Reiz.

Sonntag, 28.11., Nürnberg. Lesung zur Frühstückszeit in einem Restaurant. Bedeutet das: HIV aufs Brot? Naja, in gewisser Hinsicht schon. Einige versprengte Interessenten hatten sich eingefunden, für andere war elf Uhr an einem kalten Sonntag morgen, zudem Advent, wohl noch zu früh. Zwei zufällige Frühstücksgäste wurden ein wenig überrumpelt – blieben aber sehr interessiert sitzen und vergaßen irgendwann sogar, in das Marmeladenbrötchen zu beißen.

Montag, 29.11., Stuttgart. Lesung in der Aids-Hilfe. Obwohl das Wetter gar nicht angeraten war, war der Raum mit etwa 30 Personen “proppenvoll”. Die Lesung erzeugte wieder – und das gefällt mir mittlerweile am besten – eine intensive Diskussion. Und eine Anfrage nach Lesungen in Schulen im Februar/März um Stuttgart herum.

Dienstag, 30.11., Karlsruhe. Ohne Zweifel der Höhepunkt mener Lesereise, denn die dortige Aidshilfe feierte eine Gala zum 25-jährigen Jubiläum ihres Bestehens mit etwa 250 geladenen Gästen. Und ich war einer der Künstler. Zwar hatte ich “nur“ zwei Mal zehn Minuten für Auszüge aus meinem Buch, aber auch ohne mich im Vorfeld inhaltlich abgesprochen zu haben, passten die ausgewählten Teile perfekt in das Programm der Festredner (Regierungspräsident, Landrat, Bürgermeisterin, Vorsitzender LSVD sowie ein Schwerpunktarzt). Ein “Autorengespräch”, also ein kleines Interview, das der Moderator mit mir führte, rundete den Auftritt ab. Mit kleinen Anekdoten aus meinem früheren Leben (als ich zwei Jahre im Badischen gewohnt hatte) begann ich die Lesung (was mir Szenenapplaus der Einheimischen bescherte) – mit Appellen an die Anwesenden beendete ich das Interview. Zahlreiche Gespräche hinterher sowie ein Ansturm auf den Büchertisch zeigten mir, dass ich richtig lag …

Mittwoch, 1.12., Hannover. Welt-Aids-Tag. Und bitterkalt. Die örtliche Aidshilfe hatte ihre Sammlung bereits am frühen Nachmittag eingestellt, weil den Mitarbeitern und freiwilligen Helfern beinahe die Hände an den Sammeldosen anfroren – die Passanten aber wenig Interesse zeigten, ihre Hände zwecks Spenden aus den warmen Manteltaschen zu nehmen. Insofern wohnten auch hier weniger Gäste der Lesung bei als erwartet … aber wieder einmal zeigte es sich, dass sich aus dem Buch heraus Geschichten entwickeln können. Einer der Zuhörer beschloss spontan, nicht nur für sich ein Exemplar zu erwerben, sondern auch eines für seinen in Südamerika lebenden Bruder, um ihm anlässlich seines Weihnachtsbesuches von seiner Infektion zu berichten. Durch mein Buch und meine Erzählungen hatte er plötzlich den Mut dazu gefunden.

Donnerstag, 2.12., Chemnitz. Acht Stunden durch den Schnee für 400 Kilometer – aber trotzdem pünktlich angekommen. Meine Lesung war die vorletzte Veranstaltung des Welt-Aids-Tag-Woche, mit der die Chemnitzer Aidshilfe ihr 20-jähriges Bestehen feierte. Zwanzig Zuhörer in der Chemnitzer Stadtbibliothek – die in einem wunderbaren alten Kaufhaus, das zu einem Zentrum umgebaut wurde, untergebracht ist – hörten gebannt der Schilderung meines Lebens mit der Infektion zu und hatten im Anschluss noch viele Fragen. Eine Lektorin der Stadtbibliothek kaufte sogar zwei Bücher für das Sortiment.

Alles in allem: 2.000 Kilometer und 60 verkaufte Bücher, jede Menge Gespräche, neue Kontakte und weitere Anfragen. Der “Hype” um den Welt-Aids-Tag ist nun vorerst vorbei und ich kann mich wieder anderen Dingen widmen. Im Februar gehts weiter. Auch wenn Reisen dieser Art sehr anstrengend sind – sie machen Spaß und sie bewirken etwas. Und das finde ich gut.

Ein Kommentar to “Der Lesereise zweiter Teil …”

  1. alivenkickn sagt:

    hallo matthias

    ich habe in den letzten tagen deine berichte, deine wahrnehmung über deine “lesetour” und deine interviews gelesen bzw mir angehört. ich kann dir inhaltlich und vor allen dingen wie du die prävention machst – i.e. so wie wie du es verstehst – nur zustimmen. es gibt einen spruch aus der amerikanischen selbsthilfe – keep it simple. und genau das machst du. unverkopft – nicht abgehoben – mit beiden füßen auf dem boden der realität – HIV 2010.

    Selbsthilfe hat sich verändert. sie ist heute sehr vielschichtig geworden. da gibts die verbands ebene, die politische ebene und die persönliche ebene. der rote faden jedoch muß – sollte immer klar und einfach sein. und wenn s darauf ankommt, hart und laut in der sache. naumänner und sonstige intellektuelle dürfen gerne über das schreiben aber sollen sich um gottes willen aus unseren angelegenheiten raushalten und uns sagen was für uns das beste ist . . . .

    http://alivenkickn.wordpress.com/2009/10/09/die-denver-prinzipien/

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MATTHIAS GERSCHWITZ

Botschafter Welt-AIDS-Tag

Endlich mal was Positives - Cover
Rote Schleife

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